Krise bedroht das Mekka Dubai

11. Oktober 2019
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Über Jahrzehnte galt Dubai als jenes Land, in dem Investoren eine wahre Spielwiese vorfanden. Die Bautätigkeiten waren enorm, die Nachfrage nach Immobilien groß. „Einer der Gründe, warum es Dubai so großen Zuzug gab, waren de EXPATS“, weiß Immobilienexperte Thomas Wos. Er und seine Frau Jennifer Wos gründeten gemeinsam die WOS Swiss Investments AG. Sie beschäftigt sich mit innovativen Projekten und leistet Start-Ups und bestehenden Unternehmen wichtige Finanzhilfe. Nach Dubai werden besonders viele Experten von Unternehmen entsandt. Sie verbringen einige Monate oder sogar Jahre im Land um ihr Knowhow weiterzugeben. Den Aufenthalt dieser „Expats“ lassen sich Firmen einiges kosten. Doch nun scheint die Wirtschaft Dubais einen Einbruch zu erleben.

Was Dubai so lebenswert macht
Dubai gilt als modernste der insgesamt sieben Emirate, die sich zu den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengeschlossen haben. Da es als im Vergleich zu anderen Ländern der Region als liberal gilt, florierten in den letzten Jahren die Handelsbeziehungen. Auslöser dafür waren die Veränderungen, die Maktum bin Raschid Al Maktum zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorgenommen hatte. Sein Bruder Mohammed bin Raschid Al Maktum führt das Emirate in diesem Sinne weiter. Beiden war es ein Anliegen, das Land für internationale Investoren und für Gäste aus dem Ausland zu öffnen.

„Zahlreiche Sehenswürdigkeiten der Superlative wie der Burj Khalifa ziehen Touristen aus aller Welt an“, nennt Thomas Wos einen der Gründe, warum es ausländische Gäste für einen Urlaub nach Dubai zieht. Doch das mit 828 Metern imposante Gebäude ist nicht die einzige Attraktion: Dazu kommen noch überdimensionale Einkaufszentren wie die Dubai Mall mit 350.000 Quadratmetern und nicht zuletzt der Strand. Doch nicht nur Touristen strömten in den vergangen Jahren nach Dubai: Auch Auswanderer haben das Emirat als Ziel auserkoren. Ein Grund dafür ist, dass Menschen, die ihren festen Wohnsitz haben, keine Einkommenssteuer zahlen.

Thomas Wos

Foto: Thomas Wos

Die Wirtschaft gerät ins Schwanken – Der Flughafen
„Dass das rasante Wachstum in Dubai sich verlangsamen würde, war fast zu befürchten“, sagt Thomas Wos zu der aktuellen Krise. Als langjähriger Beobachter der Immobilienszene weiß er genau wovon er spricht. Die Krise im Land betrifft ihn jedoch auch ganz persönlich: Immerhin hat die WOS Swiss Investments AG Geld in All-Realestates.com gesteckt. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die Immobilien in Dubai vermittelt. Es handelt sich sowohl um Penthouses, Villen und Wohnungen als auch um Büroflächen.

Eines der Prestigeprojekte Dubais, der Airport Dubai World Central (DWC) wurde nun offenbar auf Eis gelegt. Hier einige Fakten zu dem Bauvorhaben

  • Bis zum Jahr 2025 hätte der DWC der größte Flughafen der Welt werden sollen
  • Geplant war, eine Kapazität von bis zu 250 Millionen Passagieren pro Jahr zu bieten
  • Sechs Start- und Landebahnen sollten einen reibungsloses Flugverkehr garantieren
  • Bis zu 100 Luftgiganten A380 hätte der Airport gleichzeitig aufnehmen sollen

Doch nur wenige Jahre vor dem geplanten Fertigstellungstermin sind die Pläne für den Flughafen anscheinend ad acta gelegt. Einer der Gründe liegt sicherlich in der heimischen Fluglinie Emirates. Deren ambitionierten Expansionspläne stießen in anderen Ländern auf Wiederstand. Vor allem in den USA kam es zu Protesten einheimischer Fluglinien, als Emirates um weitere Landegenehmigungen ansuchten. Unterstützung bekommen amerikanische Airlines dabei von der US-Regierung. Das machte sich unter anderem auch in den Passagierzahlen bemerkbar. Zwar lag man mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr noch im Plus, allerdings hatte sich das Management eine deutlich bessere Entwicklung gewünscht.

Auch der Tourismus stagniert
Nicht nur die heimische Fluglinie ist von der Wirtschaftskrise betroffen, auch die gesamte Tourismusbranche beklagt Einbußen. „Der Grund dafür liegt jedoch nicht an Dubai selbst, sondern vielmehr an der instabilen Situation in den Nachbarstaaten“, zeigt sich Thomas Wos besorgt. Da er mit einer eigenen Hotelkette auch in die Tourismusbranche eingestiegen ist, beobachtet er die derzeitige Lage genau.

In der Vergangenheit standen die Vereinigten Arabischen Emirate für Stabilität und Sicherheit. Als jedoch Salman bin Abdulaziz Al Saud den Thron des Königreichs Saudi-Arabiens bestieg, kam es zu Veränderungen in der Außenpolitik. Militärische Interventionen in Jemen und die damit verbundenen humanitären Katastrophen im Land und der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Katar in der jüngeren Vergangenheit sind nur einige der Ereignisse, die auch auf Dubai nicht zu unterschätzende Auswirkungen haben. Gäste aus aller Welt beobachten die Entwicklungen genau und buchen zum Teil lieber einen Aufenthalt in einer Region, über die nicht wegen militärischer Eingriffe in den Medien berichtet wird.

Die Hotellerie in Dubai beklagt leerstehende Betten: Nach einem wahren Hype um Dubai als Ziel für einen Städtetrip sind die Hotels heute nur zu rund zwei Drittel ausgelastet. Was Touristen freut, ist für die Gastgeber eine Katastrophe: Die Hotelzimmer in Dubai sind heute so günstig zu haben wie schon seit 2003 nicht mehr. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung weiter geht. Investoren hoffen darauf, dass Großevents wie die EXPO im Jahr 2020 dem Land wieder einen markanten Auftrieb geben.

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